Bei dieser Bronze handelt es sich in mehrerlei Hinsicht um ein Kuriosum. Ein Verschlussbügel wie sonst bei Ritualgefäßen üblich, scheint ohne praktische Funktion. Zwar kann er zum Befüllen auf und zu bewegt werden, aber nirgendwo ist ein Abflussloch zu finden. Man kann also die untere Hälfte des Kopfes befüllen, aber mit was und wozu bleibt ein Geheimnis. Am Scharnier ist der Bügel abgebrochen.
Die zweite Auffälligkeit ist der Entwurf selbst, der ein wenig an einen zeitgenössischen Comic erinnert. Überproportionierter Kopf, viel zu langer Schwanz, die Zunge seltsam herausgestreckt, ein sehr langer Penis mit dickem Hoden und ein etwas unförmiger, steifer Körper. Das einzig stilistisch „authentische" ist die traditionelle Ornamentierung des Fells.
Dem Gewicht nach zu urteilen ist der Körper vollständig mit irdenem Gusskern gefüllt, was sowohl funktional als Gefäß, als auch handwerklich unüblich ist. Um Korrosionen zu vermeiden wird der Tonkern normalerweise vollständig entfernt, damit er keine Feuchtigkeit binden kann. Es gab zunächst also mehrere Gründe anzunehmen, dass es sich um ein rezentes, handwerklich unausgereiftes Objekt handelt. Andrerseits schienen die übertriebenen Proportionen auf etwas mythologisches wie eine Legende zu verweisen und die Patina mit kleine Blühungen schien alt und gewachsen, nicht künstlich bearbeitet.
Mit einem Alter von knapp 400 Jahren und wegen seinen Auffälligkeiten ist dieses Objekt kunsthistorisch hochinteressant. Weil bei oralen Überlieferungen Inhalte und Wahrheitsbegriffe ständig variieren, dauert eine Entschlüsselung wohl sehr lange und wird ständig mit Vermutungen begleitet. |